beobachtet und fotografiert von
federleicht-leben

Insekten / Libellen

Schl├╝pfen

Heimische Tiere

Seit wir Ende April die ersten Libellen fliegen sahen, achteten wir t├Ąglich darauf, mal einen Schl├╝pfvorgang zu sehen. Das h├Ârt sich zwar ziemlich flach an, aber es steckt eine ganze Menge mehr dahinter, als die einfache Frage: Wo schl├╝pfen sie?, auszudr├╝cken vermag. Mein Wollen, den Weg der Libelle - aus dem Wasser in die Luft - zu beobachten, war sehr stark, und entsprechend war ich gedanklich (bewusst und unbewusst) mit der L├Âsung der Frage besch├Ąftigt. Oft stand ich am Ufer der Teiche und B├Ąche uns fragte die Libellen: "Wo schl├╝pft ihr?"

Heute begann mein Tag ungew├Âhnlich fr├╝h, ich sa├č bereits um 8 Uhr am Rechner und sortierte Bilder. Das Wetter war k├╝hl und der Himmel bedeckt. Erst um etwa 11 Uhr wurde es etwas heller, und ich bereitete mich auf einen Ausflug an die Werner Teiche vor, zwei relativ gro├če Teiche, die ich wie meine Westentasche zu kennen glaube. Meine Wathose hatte ich gleich angezogen, obwohl ich mir wenig bis keine Hoffnung auf einen Erfolg machte; zu viele Wege war ich in den vergangenen sechs Wochen bereits gegangen.

Nachdem ich die ersten Uferbereiche "abgeklappert" hatte, dachte ich: Wathose an, dann gehe mal ├╝ber den Steindamm zwischen den Teichen auf die Insel, die den Harpener Bach vom Teich trennt. Gesagt getan, ganz vorsichtig ├╝ber die rutschigen Steine, und ich bin bei diesem Weg immer froh, dr├╝ben heil an zu kommen. Konzentriete Blicke ins Schilf auf der rechten Seite, in der Mitte, dann die linke Seite.
Oh, da h├Ąngt ja wenigstens mal eine Exuvie.

Ich griff nach dem Fotoapparat und schaute noch mal hin. Pardautz, die Libelle h├Ąngt ja da dran. Wieder mal ein kleiner Schock in meinem System, Adrenalin pur. Das verfl├╝chtigte sich aber schnell, da ich gut einsch├Ątzen konnte, wie weit die Entwicklung der Gro├č-Libelle voran geschritten war; der Hinterleib war noch sehr klein. Um 12.49 Uhr das erste Foto.

Das Foto ist nicht bearbeitet - genau so sah ich den Ort mit meinen Augen. Die Libelle von den Farben her sehr gut getarnt, Bedingung f├╝r einen erfolgreichen Schlupf, weil zu viele Fressfeinde (V├Âgel, Fr├Âsche, Enten und G├Ąnse) auf diese Leckerbissen warten. Ich las in einem unserer Libellenb├╝cher, dass Libellen dircht ├╝ber der Erde oder hoch oben auf einem Schilfhalm schl├╝pfen. Das w├Ąre erstens unklug, weil unten die Enten und oben die V├Âgel gute Sicht auf die Libellen h├Ątten, und zweitens entspricht das nicht dem, was wir beobachteten: Die Exuvien sa├čen halbhoch und auf der vom Wasser abgewendeten Seite des Halms.

Nun, ich machte weitere Bilder.

Das letzte dieser Bilder entstand um 13.05 Uhr. Gesagt sei, dass die Bedingungen nicht gerade gut waren. Gegen das Licht, entsprechend dunkel, relativ lange Belcihtungszeit und gro├če Blende, und der Ort, na ja, ich lag im Schilf, ein Bein im Wasser und das andere im Dreck. Aber die Bedingungen spielen bei derartigen Aufnahmen ├╝berhaupt keine Rolle, nicht mal Brennnessel oder Disteln h├Ątten mich gest├Ârt.

Wie sollte es nun weiter gehen? Hier zwei bis drei Stunden warten, bis die Libelle flugf├Ąhig ist? Ich entschied, den Ort zu verlassen und nach etwa einer Stunde zu schauen, was passiert ist.  Klar, es war voran gegangen: Ein deutlich vergr├Â├čerter Hinterleib, und auch die Fl├╝gel machten einen viel stabileren Eindruck. Das erste Bild entstand um 14 Uhr.

Ich m├Âchte noch mal betonen, dass alle Bilder unebarbeitet sind. Eins ist ziemlich dunkel geworden, die Folge von wechselnder Bew├Âlkung. Ja, so ist das nun mal im "richtigen" Leben - ist nicht alles Hochglanz. Und wenn ich mich mit einem der Bilder bei einem Fotowettbewerb beteiligen w├╝rde: Der letzte Platz w├Ąre mir sicher.

Um 13.07 Uhr machte ich das letzte Bild und ging zur├╝ck "an Land". Was jetzt? Eben nach Hause fahren und die Wasserflasche auff├╝llen? Gleich die v├Âllig durchgeschwitzten Klamotten wechseln? Unschl├╝ssig fuhr ich am Ufer entlang, machte einen kurzen Stopp an einem Rastplatz - und lie├č mich ablenken durch die Familie Haubentaucher, die mit ihren Jungen unterwegs waren. Wi├čt ihr, wie Haubentaucherkinder aussehen?. Ich wusste es bis zu dem Moment auch nicht. Sehr s├╝├č. gell.

Etwa om 14.20 Uhr war ich wieder bei meiner schl├╝pfenden Libelle. Vorsichtig, einen Bogen schlagend, n├Ąherte ich mich der Stelle, schaute, schaute noch mal - und dann flog sie los, sehr dicht ├╝ber meinen Kopf hinweg, wahrscheinlich auf die Pferdewiese oder in einen Baum, um auszuh├Ąrten.

Sollte ich mich ├Ąrgern ob meines Missgeschicks? Keineswegs, ich war erfolgreich, auch wenn der Anfang wetterbedingt und das Ende wegen meiner Ungeduld fehlten. Ich war wenigstens zeitweise dabei, und es wird ein n├Ąchstes Mal geben - und wenn nicht, ist es auch so gut.


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